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Monatsspruch

Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Prediger Salomo 4,6)„Hand voll mit Ruhe“ und „Fäuste voll mit Mühe“ – das scheint mir ein unpassendes Gegensatzpaar zu sein. Oder um mit den Worten des Predigers zu sprechen: Alles hat seine Zeit: eine Zeit der Ruhe und eine Zeit der Mühen. Die Pointe des Monatsspruches finde ich in den letzten Worten: Haschen nach Wind. Dafür sollte es keine Zeit geben. Nach Wind zu haschen, ist zweck- und ergebnislos, macht auch keine Freude, sondern kann in seiner Erfolglosigkeit ein großer Stressfaktor sein. Deshalb: Egal, ob gerade eine Zeit der Ruhe „dran ist“ oder „angepackt werden muss“ – entscheidend ist, dass beides sinnvolle Tätigkeiten sind. Doch wann „hasche ich nach Wind“? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Auch ein Mühen, das am Schluss erfolglos ist, muss nicht sinnlos sein. Nicht leicht zu beantworten, dennoch habe ich – wenn ich am Abend auf den Tag zurückblicke – ein sehr gutes Gespür dafür, in welchen Momenten ich dem Wind nachgejagt bin: Wenn es mir ausschließlich um mich selbst ging; ich Gott und den Mitmenschen ausgegrenzt habe. Das hinterlässt ein Gefühl der Leere.
 Michael Tillmann