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Angedacht

Judengasse
solche oder ähnliche Schilder können Sie in vielen Städten sehen. Und nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren. Sie legen ein beredtes Zeugnis davon ab, wie weitverbreitet jüdisches Leben einmal in Deutschland war. Ganz normal!

Normal? Wohl eher doch nicht. Denn diese Straßenschilder verweisen ja auf Straßen und Wohngebiete, die in der Vergangenheit besonders von jüdischen Mitbürgern bewohnt gewesen sind. Ob freiwillig oder nicht wohnten Menschen jüdischen Glaubens beieinander – und das wurde als etwas Besonderes wahrgenommen. Oder kennen Sie aus irgendeiner deutschen Stadt eine „Christengasse“? Ich habe ein solches Straßenschild noch nie gesehen.

Jüdisches Leben war bis zum Nationalsozialismus und dem „Holocaust“ in Deutschland weitverbreitet und auch weitgehend akzeptiert. Und wurde doch als etwas Besonderes wahrgenommen. Das muss nicht zwangsläufig negativ sein, birgt aber den Keim zu einer möglichen Ausgrenzung in sich. Dem früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, wurde einmal zu einer Rede „seines“, des israelischen Staatsoberhauptes, gratuliert, worauf er entgegnete, sein Staatsoberhaupt sei der deutsche Bundespräsident. Die Gratulation war nicht böse gemeint, offenbarte aber doch eine sicherlich nicht gewollte, sondern unbewusste Ausgrenzung. Mehr Sensibilität ist notwendig – für ein normales Miteinander.

Michael Tillmann