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Angedacht

Vom Wert der Arbeit

100 Jahre Tag der Arbeit in Deutschland: Am 1. Mai 1919 war der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ zum ersten Mal in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Seine Ursprünge sind über 50 Jahre älter und liegen auf der anderen Seite der Welt. Am 1. Mai 1856 kam es in Australien zum ersten Mal zu Demonstrationen zur Einführung des Acht-Stunden-Tages. Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentages zum Generalstreik am 1. Mai auf. In den darauffolgenden Auseinandersetzungen kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Zu ihrem Gedenken rief der Gründungskongress der Zweiten Internationalen 1889 den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“ aus, der 1890 weltweit mit Demonstrationen und Streiks begangen wurde.

Der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag war 1919 in Deutschland kein großer Erfolg. Erst die Nationalsozialisten setzten ihn 1933 als „Tag der nationalen Arbeit“ als Feiertag durch – eine Regelung, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten übernommen wurde.

1955 wurde der 1. Mai in der katholischen Kirche zum Gedenktag „Josef des Arbeiters“ erklärt. Der damalige Papst Pius XII. wollte dem sozialistischen Tag der Arbeit etwas entgegensetzen. Josef galt damals schon traditionell als Patron der Arbeiter. Gewollt oder ungewollt führte dieser Gedenktag aber auch zu einem neuen Blick auf die menschliche Arbeit: Mit dem Gedenktag „Josef der Arbeiter“ wird sie sozusagen geadelt. In der Schöpfungsgeschichte ist die Arbeit noch ein Fluch der Sünde, mit Josef wird sie Teil der Heilsgeschichte. Sie ernährt die Menschen. Jesus selbst lernt ein Handwerk. Diese Sichtweise hat Auswirkungen darauf, wie Arbeit zu organisieren ist: menschenwürdige Arbeitsbedingungen, ein Miteinander von Arbeit und Familie, ein Recht auf ein Einkommen, das ein menschenwürdiges Leben garantiert, ein Recht auf Arbeit generell. Rahmenbedingungen, die den Bogen schließen zum Tag der Arbeit.

 

Michael Tillmann